Aktionstag der Aktion Mensch
Awareness-Betreuung und Podiumsbeitrag zu Teilhabe, Selbstvertretung und Inklusion
Am 5. Mai 2025 begleiteten wir als reflect.awareness e.V. den Aktionstag für Menschen mit Behinderungen der Aktion Mensch in Leipzig. Der Aktionstag war Teil einer öffentlichen Protest- und Vernetzungsveranstaltung, bei der Menschen mit Behinderungen, Selbstvertreter:innen, Initiativen und Unterstützer:innen gemeinsam für echte Teilhabe, Barrierefreiheit und strukturelle Veränderungen eintraten.
Der Aktionstag verstand sich bewusst nicht als symbolische Veranstaltung, sondern als politischer Raum, in dem Forderungen sichtbar gemacht, Erfahrungen geteilt und Verantwortlichkeiten benannt wurden. In diesem Kontext übernahmen wir sowohl eine inhaltliche Rolle auf dem Podium als auch die Awareness-Betreuung der gesamten Veranstaltung.
Podiumsdiskussion: Perspektiven aus Praxis, Selbstvertretung und Politik
Ein zentraler Bestandteil des Aktionstags war eine öffentliche Gesprächsrunde, in der notwendige Veränderungen für eine inklusive Stadtgesellschaft diskutiert wurden. Auf dem Podium sprachen:
- Dr. Luchnikova, Behindertenbeauftragte der Stadt Leipzig,
- Sahra Lenz, Peer-Beraterin,
- Sophia Poulakis für das Inklusiven Nachbarschaftszentrum Lindenau,
- sowie Issaias Weikum von reflect.awareness e.V..
In der Diskussion ging es um die Frage, warum Teilhabe noch immer nicht selbstverständlich ist, welche strukturellen Barrieren bestehen und was es braucht, damit Menschen mit Behinderungen nicht nur mitgedacht, sondern tatsächlich beteiligt werden. Issaias Weikum brachte dabei die Perspektive von Awareness- und Präventionsarbeit ein und machte deutlich, dass Teilhabe ohne diskriminierungssensible Strukturen, Machtkritik und Verantwortungsübernahme nicht gelingen kann.
Unsere Rolle: Awareness-Team und politische Positionierung
Neben dem Podiumsbeitrag stellten wir als reflect.awareness e.V. ein Awareness-Team, das die gesamte Veranstaltung begleitete. Gerade bei Protest- und politischen Veranstaltungen, bei denen persönliche Betroffenheit, Wut, Frustration und Hoffnung aufeinandertreffen, ist Awareness-Arbeit besonders wichtig.
Unser Awareness-Team war sichtbar, ansprechbar und präsent und stand Teilnehmenden unterstützend zur Seite – sei es bei Überforderung, Konflikten, Unsicherheiten oder diskriminierenden Situationen. Awareness bedeutete hier vor allem: Zuhören, ernst nehmen, schützen und solidarisch begleiten.
Haltung: Selbstvertretung, Definitionsmacht und Verantwortung
Unsere Arbeit beim Aktionstag basierte auf einer antisexistischen, antidiskriminierenden und machtkritischen Haltung. Zentrale Prinzipien waren Definitionsmacht und Parteilichkeit: Menschen mit Behinderungen sind Expert*innen ihrer eigenen Lebensrealitäten, ihre Perspektiven sind Ausgangspunkt jeder Diskussion über Teilhabe.
Awareness verstehen wir dabei nicht als neutralen Service, sondern als klare Positionierung an der Seite von Betroffenen. Gerade im Kontext von Protest und politischer Auseinandersetzung ist es wichtig, Schutzräume zu schaffen, ohne politische Inhalte zu entschärfen oder Konflikte zu delegitimieren.
Wirkung und Einordnung
Der Aktionstag für Menschen mit Behinderungen in Leipzig machte deutlich, wie eng Awareness-Arbeit, politische Bildung und Selbstvertretung miteinander verbunden sind. Durch die Kombination aus öffentlichem Protest, inhaltlicher Podiumsdiskussion und Awareness-Betreuung konnte ein Raum entstehen, in dem Forderungen sichtbar wurden und Teilhabe praktisch erlebbar war.
Unsere Beteiligung am Aktionstag zeigt, dass Awareness nicht nur auf Festivals relevant ist, sondern auch ein zentrales Instrument für inklusive politische Praxis darstellt.
Wir danken der Aktion Mensch, allen beteiligten Selbstvertreter*innen und Initiativen für die Zusammenarbeit und den gemeinsamen Einsatz für echte Teilhabe.