Publikation: “Meine Grenzen, deine Grenzen”
Ein illustrierter Leitfaden für diskriminierungsarmes Zusammenleben von Senior:innen
Im Jahr 2025 haben wir als reflect.awareness e.V. die Broschüre „Meine Grenzen, deine Grenzen – Ein Leitfaden für ein diskriminierungsarmes Zusammenleben“ entwickelt. Mit dieser Publikation möchten wir Awareness, Grenzachtung und diskriminierungssensibles Handeln niedrigschwellig, verständlich und alltagsnah vermitteln – für Menschen mit unterschiedlichen sprachlichen, kognitiven und sozialen Voraussetzungen.
Im Mittelpunkt der Broschüre steht ein illustrierter Handlungsleitfaden, der typische Situationen aus dem sozialen Miteinander aufgreift und Schritt für Schritt von der Problembeschreibung hin zu Reflexion und möglichen Handlungswegen führt. Uns war wichtig, Inhalte so aufzubereiten, dass sie zugänglich, verständlich und realitätsnah sind.
Pädagogisches Konzept und Zielgruppe
Wir arbeiten in der Broschüre mit einer durchgehenden Erzählstruktur: Die Protagonistin Erna erlebt verschiedene Alltagssituationen im Inklusiven Nachbarschaftszentrum (INZ) – einem offenen Sozialraum, in dem Menschen mit und ohne Behinderungen sowie Senior:innen zusammenkommen. Anhand dieser Geschichten machen wir unterschiedliche Formen von Ausgrenzung, Grenzverletzungen und Unsicherheiten sichtbar.
Gemeinsam mit den Leser:innen gehen wir Fragen nach wie:
- Was bedeutet Zugehörigkeit – und wie fühlt sich Ausschluss an?
- Wie kann ich mit Zurückweisung und Enttäuschung umgehen?
- Wie erkenne und benenne ich meine eigenen Grenzen?
- Was heißt Zustimmung – und warum gilt: Nur ja bedeutet ja?
- Wie kann Verantwortung nach Grenzverletzungen übernommen werden?
Die Geschichten werden durch Illustrationen ergänzt, die Situationen visuell einordnen und das Verständnis unterstützen – insbesondere für Menschen mit Legasthenie oder Analphabetismus.
Sprache, Barrieren und Beteiligung
Die Broschüre ist bewusst mehrsprachig im Sinne von Sprachebenen angelegt. Wir arbeiten mit Standardsprache, Einfacher Sprache und teilweise Leichter Sprache, die jeweils klar gekennzeichnet ist. Die Übersetzungen orientieren sich an aktuellen Regelwerken und wissenschaftlichen Erkenntnissen, gleichzeitig haben wir an einzelnen Stellen bewusst Regeln der Leichten Sprache erweitert, um Wissenszugänge zu öffnen und Stigmatisierungen entgegenzuwirken.
Die Texte in Leichter Sprache wurden von Besucher:innen des Inklusiven Nachbarschaftszentrums geprüft. Dieser partizipative Ansatz war uns wichtig, um Praxisnähe, Verständlichkeit und Respekt gegenüber der Zielgruppe sicherzustellen.
Unsere Haltung: Awareness, Definitionsmacht und Verantwortung
Die Broschüre basiert auf unserer antisexistischen, antidiskriminierenden und machtkritischen Haltung. Zentrale Awareness-Prinzipien wie Definitionsmacht, Parteilichkeit und Verantwortungsübernahme vermitteln wir nicht abstrakt, sondern anhand konkreter Situationen.
Uns war dabei besonders wichtig, nicht nur Betroffene zu stärken, sondern auch Menschen anzusprechen, die grenzüberschreitend gehandelt haben. Awareness verstehen wir als lern- und entwicklungsfähige Praxis, die Veränderung ermöglicht, ohne zu beschämen.
Unsere Rolle und Zusammenarbeit
Wir waren für die Konzeption, Redaktion, didaktische Ausrichtung und Gestaltung der Broschüre verantwortlich. Die Entwicklung erfolgte in enger Zusammenarbeit mit dem Inklusiven Nachbarschaftszentrum Lindenau und dem Mobilen Behindertendienst e.V.. Illustration und Gestaltung sind fester Bestandteil des pädagogischen Gesamtkonzepts und wurden von Sophia Poulakis (Vorständin refelct.awareness e.V.) umgesetzt.